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Nachhaltigkeit und Einkaufen

Umweltfreundliches und nachhaltiges Einkaufen im Supermarkt hängt von vielen Faktoren ab und muss immer als ein Ganzes betrachtet werden: vom Rohstoffanbau bis zur Verpackungsentsorgung.

Nachhaltigkeit lässt sich oft schlecht mit einem schnellen Einkauf im Supermarkt kombinieren. Wir leben in einem ständigen Überfluss. Wir kaufen generell zu viele Lebensmittel und oft landet ein Großteil davon direkt wieder im Müll. Jedes Jahr landen etwa pro Person 82 kg Lebensmittel im Müll!

Das ist nicht nur schade um das Geld, sondern auch um die Energie, die bei der Herstellung der Lebensmittel eine große Rolle spielt oder um das Lebewesen, welches dafür sterben musste. Nachhaltig einkaufen ist kein neuer Trend. Es gibt in schon sehr lange – wurde bisher allerdings eher belächelt als ernstgenommen. Mittlerweile bekommen mehr und mehr Menschen ein besseres Bewusstsein dafür und setzten sich auch aktiv dafür ein.

Aber was bedeutet es überhaupt nachhaltig einzukaufen? Es bedeutet, bewusst und gezielt einzukaufen um dadurch weniger Müll, Energie und Ressourcen zu produzieren. Wir haben euch 5 einfache Tipps für einen mehr Nachhaltigkeit im Supermarkt zusammengefasst.

5 einfache Tipp um nachhaltig einzukaufen:

  1. Einkaufsliste erstellen
  2. Regional einkaufen
  3. Saisonal einkaufen
  4. selbstgemacht schmeckt ohnehin besser
  5. Plastiktüten vermeiden

Einkaufsliste erstellen für deinen nachhaltigen Einkauf

Wer kennt es nicht, wir gehen ohne uns vorher ausführlich Gedanken zu machen in den Supermarkt. Viel schlimmer: Wir gehen oft hungrig und gestresst in den Supermarkt! Und dann passiert genau das, was ganz und gar nicht für einen nachhaltigen Einkauf steht. Wir kaufen alles was gut klingt und lecker aussieht – und am besten auch noch ganz viel!

Was helfen kann? Ganz einfach: Schreibe dir eine Einkaufsliste bevor du in den Supermarkt gehst. Klingt zwar total öko und nervig, ist aber eine effektive Lösung für einen nachhaltigen und bewussten Einkauf. Wer vorbereitet und mit einem Ziel vor Augen (und am besten ohne Hunger) in den Supermarkt geht, läuft weniger Gefahr, ungeplante Fehlkäufe zu machen.

Am einfachsten ist es, sich vorher zu überlegen, was Zuhause fehlt. Hierfür gibt es auch schon die ein oder andere App, die einem dabei unterstützten kann.

Im Supermarkt erwarten uns viele Versuchungen! Immer wollen wir etwas neues Ausprobieren um nicht immer das gleiche essen zu müssen. Daher ist derjenige, der ohne Einkaufsliste einkaufen geht, eher dazu geneigt, die eine oder andere Sache in den Einkaufswagen zu werfen und auszuprobieren. Meistens spielt dabei auch der Preis eine Rolle, denn wir lassen uns gerade dann extrem von verlockenden Preisangeboten beeinflussen.

Um nicht in die nächste Marketingfalle zu laufen, ist es doch meistens sinnvoller, vor dem Einkaufen einen Blick in den Kühlschrank und in die Vorratskammer zu werfen. Genauso wichtig ist es aber auch, dass ihr euch dann auch im Supermarkt konsequent an die Liste haltet. Wer Inspiration für seinen nächsten Einkauf benötigt, um nicht immer das gleiche zu kaufen, sollte sich vorher ein paar Rezepte anschauen.

Regional Einkaufen für einen nachhaltigen Lebensstil

Wer nachhaltig Einkaufen möchte sollte darauf achten, woher die Lebensmittel kommen.

Wir sollten uns außerdem bewusst werden, dass fremdes Obst und Gemüse im Supermarkt, das meistens sehr billig angeboten wird, nicht nachhaltig seien kann. Die Produkte müssen ja auch irgendwie nach Deutschland gekommen sein und haben daher lange Transportwege hinter sich. Lange Transportwege verschmutzen nicht nur unsere Umwelt, sondern bringen auch einen anderen negativen Effekt mit sich. Damit wir die Produkte bei uns zu billigen Preisen kaufen können, werden die ausländischen Bauern nicht fair bezahlen und müssen für unseren Luxus bezahlen.

Regional einzukaufen bedeutet daher auch, sich für das Leben und faire Löhne bei kleinen Bauern aus der Nähe einzusetzen und nicht Systeme zu unterstützten, die auf kosten anderer Leben.

Wer Regional Einkauf gibt einheimischen Bauern die Chance konkurrenzfähig zu sein. Für ein paar Euro mehr kann man daher nicht nur sein Gewissen beruhigen, sondern auch mit großer Sicherheit ein vollwertiges, unbehandeltes Produkt konsumieren. Regionales Obst und Gemüse ist oft weniger behandelt als exotische Produkte aus dem Ausland. Darüber hinaus erhält man meistens die naturbelassenen Produkte ohne Plastikverpackung – ein weiterer Pluspunkt für einen regionalen und nachhaltigen Einkauf!

Saisonal Einkaufen

Das ist oft leichter gesagt als getan! Denn wer nur im Supermarkt einkauft weiß bzw. erkennt meistens gar nicht, welches Obst oder Gemüse aktuell Saison hat. Unser Anspruch im Laden ist mittlerweile, dass wir jedes Obst und Gemüse zu egal welcher Jahreszeit bekommen! Das ganze bringt allerdings auch einen großen Nachteil mit sich! So verführerisch exotischen Früchte und niedrigen Preise im Supermarkt auch sein können – hinter ihnen verstecken sich lange Transportwege, ausgebeutet Bauern, Länder und Böden. Es mag sich zwar selbstverständlich anfühlen, dass wir das ganze Jahr über Bananen, Tomaten und Erdbeeren im Supermarkt kaufen können, allerdings wird diese Nachfrage künstlich erschaffen (meistens genau wie das Produkt selbst).   

Hast du dir schon mal darüber Gedanken gemacht, warum wir das ganze Jahr über Bananen im Supermarkt kaufen können? Oder wie es möglich ist, dass wir bereits im Frühjahr Erdbeeren zu günstigen Preisen finden? Ursprünglich hat jedes Obst und Gemüse nämlich seine eigene Erntezeit. Die Saison, in der das jeweilige Obst und Gemüse wächst wurde von der Natur so festgelegt und hat auch seinen Grund! Denn alles, was wächst und gedeiht, benötigt unterschiedlich viel Sonneneinwirkung, Temperatur, Wasser und Boden. Und genau das ist der Grund, warum wir zu manchen Jahreszeiten Brokkoli & Zucchini und zu anderen Jahreszeiten Früchte im Überfluss haben.

Nachhaltig und bewusst zu leben und einzukaufen bedeutet, das was die Natur uns bietet so zu nehmen wie es ist. Die Natur zu manipulieren und durch Giftstoffe auf Leistungshochs zu trimmen, ist alles andere als nachhaltig.

Ein Saisonkalender für Obst, Gemüse und Salate ist überall im Internet zu finden. Richtet man seine Nahrungsmittel und seinen Einkauf danach, kann man das Obst und Gemüse zu der jeweiligen besten Zeit genießen und nachhaltig einkaufen. Das Obst und Gemüse schmeckt komischerweise genau dann auch am Besten! Es ist sogar empfehlenswert, da die Wahrscheinlichkeit geringer ist, dass die Lebensmittel manipuliert wurden, um „schneller“ wachsen zu können oder besser auszusehen.

Tipp: Wer wenigstens ab und zu den Wochenmarkt besucht und sich von der Vielfalt saisonaler Produkte beeindrucken lässt bekommt nach und nach ein besseres Verständnis für die jeweilige Saison! Jeder Monat bietet anderes Obst und Gemüse – lasst euch überraschen!

Selbstgemacht schmeckt ohnehin besser!

Schnell am Balkon oder im Garten einen Salatkopf anpflanzen ist gar nicht so schwer wie mancher denkt! Einfach mal ausprobieren! Ein selbstgezüchteter Salat schmeckt nicht nur viel besser – er enthält auch weniger Schadstoffe!

Der Vorteil am selber kochen und am selber machen ist, dass du genau weißt was drinnen ist! Du entscheidest ganz alleine darüber, welche Produkte in deine Mahlzeiten kommen. Wenn diese dann auch noch selber gemacht sind, dann ist das ganze gleich doppelt besser! Ein selbstgemachter Pizzateig hat gleich einen ganz anderen Geschmack als ein gekaufter. So kannst du ganz bewusst beim Selbermachen kontrollieren wie nachhaltig deine Mahlzeiten werden. Außerdem sparst du dir im Gegensatz zum Essen gehen, zum Bestellen oder bei einer Fertigpizza eine Menge Geld!

Wer gerne ausgefallen kocht – aber trotzdem regional bei der Auswahl der Produkte bleiben möchte – kann sich von saisonalen Buddha Bowls inspirieren lassen!

Plastiktüten vermeiden beim nachhaltigen Einkaufen

Wenn ihr dann schon darauf achtet, woher eure Produkte kommen und zu welcher Jahreszeit diese wachsen, dann könnt ihr als Krönung eures nachhaltigen Einkaufs noch darauf achten Plastik zu vermeiden!

Das fängt bei der Plastiktüte für loses Obst und Gemüse an – aber genauso solltet ihr kein verpacktes Obst und Gemüse kaufen. Und immer eine Tasche dabei haben um nicht jedes Mal aufs neue an der Supermarktkasse eine Tüte für euren Einkauf kaufen zu müssen.

Wusstest du, dass 2014 Obst und Gemüse zu 63 Prozent vorverpackt verkauft wurden. Dabei wird zum Beispiel für 500 Gramm Trauben in einer Schale mit Deckel fast achtmal mehr Plastikmüll verbraucht als mit einem Knotenbeutel. Besonders viel Plastikmüll gibt es bei Tomaten und Möhren.

Good News: Deutschland muss laut EU-Verordnung bis Ende 2025 den Verbrauch von Einwegplastiktüten von über 70 auf maximal 40 Tüten pro Kopf und Jahr reduzieren. Allerdings sind dünne Tüten, wie die Knotenbeutel für Obst und Gemüse, hier allerdings nicht inbegriffen. Wichtig ist: Einwegtüten insgesamt zu vermeiden – auch die aus Papier! Denn die Ökobilanz einer Papiertüte ist schlechter als die einer Plastiktüte! Der Vorteil von einer Papiertüte ist allerdings, dass sich diese abbaut, wenn sie versehentlich in der Natur landet.

Finale Tipps für deinen nachhaltigen Einkauf:

  • Kauf lose statt vorverpackte Ware um Verpackungsmüll zu reduzieren. Nimm für einzelne Äpfel oder Paprikas keine Tüte.
  • Bereite Obst- und Gemüsesalate selbst zu und verzichten auf „To go“-Angebote.
  • Kauf saisonale Produkte und vermeiden Flugware wie Papayas oder frische Erdbeeren im Winter.
  • Erwarte nicht bis zum Abend das gesamte Frischesortiment – Supermärkte und Bäckereien müssen sonst sehr viel wegschmeißen.
  • Sortier zuhause den Biomüll, so kann aus den sehr energiereichen Abfällen Kompost oder Biogas gewonnen werden.
  • Koche vor allem mit frischen Zutaten statt mit Fertigprodukten, bei denen die Herkunft der Inhaltstoffe nur selten nachzuvollziehen ist.
  • Schau in den Unverpackt-Läden vorbei. Dort kannst du deine eigenen Gefäße mitbringen.
  • Gut für die Umwelt: Esse wenig tierische Lebensmittel – egal ob Fleisch, Fisch oder Käse.
  • Achte auf Bioqualität und das „Ohne Gentechnik“-Siegel.
  • Schmeiß Produkte mit „abgelaufenem“ Mindesthaltbarkeitsdatum nicht direkt weg, sondern schau erst nach, ob diese noch genießbar sind.
  • Kauf Mehrweg- statt Einwegflaschen
  • Kauf nicht zu viel ein.

Hard Facts & Good to know:

Gentechnik „Made in Germany“

Wusstest du, dass allein in Deutschland 60 Prozent der landwirtschaftlich bewirtschafteten Fläche für den Futteranbau genutzt werden, um unser Bedürfnis nach tierischen Produkten zu sättigen. Um das zu meistern muss zusätzlich massenhaft Kraftfutter importiert werden: Das Futter der 200 Millionen Nutztiere in Deutschland besteht zu über acht Prozent aus importierter Soja – davon sind 90 Prozent gentechnisch verändert. Dies muss nicht deklariert werden! Daher solltest du immer darauf achten, Produkte zu kaufen, auf denen das „Ohne Gentechnik“- Siegel deklariert ist. Dieses Siegel zeigt an, dass keine gentechnisch veränderten Futterpflanzen eingesetzt wurden.

Voll Öko – Vorteile des Öko-Landbaus:

  • Gentechnisch verändertes Futter ist tabu.
  • Es wird auf Pestizide und synthetisch-chemische Dünger verzichtet.
  • Weniger Gülle bedeutet weniger Probleme für Böden und Grundwasser.
  • Die Haltung ist artgerechter, es gibt weniger Tiere pro Flächeneinheit.
  • Es sind weniger Medikamente nötig.

Ist Fairtrade auch Fair?

Im Gegensatz zum Begriff „bio“ gibt es für den Begriff „fair“ keine gesetzlichen Standards. Aus diesem Grund können Unternehmen selbst bestimmen, was sie unter „fair“ verstehen. Gut zu Wissen: Hinter dem Fairtrade-Logo und dem GEPA-Logo stehen seriöse Standards, die auch den Bio-Landbau fördern! Rund 50 Prozent der Fairtrade-Produkte sind gleichzeitig bio-zertifiziert, bei GEPA sind es sogar 75 Prozent. Andersherum haben viele Bio-Anbauverbände soziale Kriterien in ihren Standards, manche verwenden sogar eigene Bio-Fair-Logos.

Energieverschwendung im Supermarkt

Im Supermarkt werden knapp 40 Prozent des Endenergieverbrauchs nur für die Kühlung unserer Lebensmittel benötigt. Kälteanlagen sind der größte Stromfresser. Es gibt allerdings effektive Lösungen um der Energieverschwendung entgegenzuwirken: Mit entsprechenden Energiesparmaßnahmen und einer umweltfreundlichen Bauweise lässt sich der Energieverbrauch eines Supermarktes drastisch senken. Dabei helfen z.B. Türen für Kühltruhen, natürliche Kältemittel, LED-Beleuchtung und Heizen des Gebäudes mit der Abwärme der Kühlung.

Was ist das immer mit diesem Pfand?

Falls ihr euch schon mal gefragt haben solltet, was es in Deutschland mit diesem ganzen unterschiedlichen Pfand auf sich hat, dann seid ihr definitiv nicht allein! Einweg- und Mehrwegflaschen sind für Verbraucher kaum zu unterscheiden. Es gibt sogar Einwegflaschen in Mehrwegkästen?! Eine Pfandflasche ist aber nicht automatisch Mehrweg. Bei Mehrweg beträgt das Pfand 8 oder 15 Cent. Bei Bier, Mineralwasser, Erfrischungsgetränken und alkoholhaltigen Mischgetränken in Einweg muss seit 2003 ein gesetzliches Pfand von 25 Cent. Damit sollte Mehrwegquote auf 80 Prozent erhöht werden – dies ist jedoch gescheitert, inzwischen liegt sie unter 50 Prozent.

Mikroplastik überall!

Wie bereits in unserem Beitrag zum Thema Mikroplastik erklärt, gelang dieser über unsere Abwässer aus Kosmetik-, Wasch- und Reinigungsprodukten in unsere Flüsse, Seen und Meere. Auch aus Kunststoffkleidung lösen sich Mikrofasern aus dem Kunststoff, die von Waschmaschinen und Kläranlagen nicht gefiltert werden. Mikroplastik dringt als Teil des Wasserkreislaufs in die komplexen aquatischen Nahrungsnetze von Tieren, Pflanzen und Menschen vor. Daher sollten wir zum Beispiel auf aggressive Reinigungsmittel und Desinfektionsmittel verzichten oder Toilettenpapier, Taschentücher und Küchenrolle aus Recyclingpapier mit dem Blauen Engel kaufen.

Wer in München oder Berlin eine Übersicht nachhaltiger Läden und Online Shops sucht, sollte unbedingt bei der Map von Future Cooperative München vorbeischauen!