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Meerestiere und Mikroplastik

Vor einigen Wochen hatten wir euch bereits die gravierenden Auswirkungen von Plastikmüll auf unsere Ozeane in einem Blogbeitrag zusammengefasst. In unserem neuen Beitrag möchten wir noch einmal gezielter auf das Thema Mikroplastik und dessen Auswirkungen auf unsere Meerestiere eingehen.

Was gibt es besseres, als im Sommerurlaub am Strand neben einem leckeren Glas Weißwein, frische Meeresfrüchte zu genießen? So lecker und attraktiv das ganze klingen mag, schauen wir hinter die Kulissen (in unserem Fall in die Meerestiere) wird einem erst bewusst gelangen kann! In diesem Sinne: Frutti di Plastik und viel Spaß beim Lesen!

8 Fakten zum Thema Plastik/Mikroplastik

  • Jährlich gelangen 10 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere
  • 100.000 Meerestiere sterben jedes Jahr an Plastik in den Meeren
  • In den Meeren schwimmen bis zu 100 Millionen Tonnen Plastik – das entspricht etwa 1260 Mal der Queen Marry 2
  • 850 Millionen Tonnen CO2 werden durch die Weltweite Plastikproduktion freigesetzt
  • Jedes Jahr gelangen weltweit 3,2 Millionen Tonnen Mikroplastik in die Umwelt, etwa 1,5 Millionen Tonnen davon in die Meere
  • In Deutschland gelangen einer Untersuchung zufolge pro Jahr rund 330.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt
  • 1,9 Millionen Mikroplastik Partikel pro Quadratmeter fanden Forscher im Mittelmeer
  • 5 Gramm – das ist der Anteil an Mikroplastik, den wir Menschen pro Woche an Mikroplastik essen. Das entspricht in etwa einer Kreditkarte

Mikroplastik – was war das jetzt noch mal?

Als Mikroplastik werden feste und lösliche synthetische Kunststoffe bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Mikroplastik entsteht durch den Zerfall größerer Plastikgegenstände oder wird speziell zur Anwendung in der Industrie angefertigt.

Jährlich gelangen 10 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere, Flüsse und Seen. Plastikmüll und Mikroplastik wurde bereits im Organismus diverser Meeresbewohner nachgewiesen. In Deutschland allein gelangen pro Jahr rund 330.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt und wir Menschen verspeisen Mikroplastik zum Beispiel dann durch Meeresfrüchte.

Mittlerweile ist bekannt, dass Mikroplastik mit dem Klärschlamm auf Felder ausgebracht wird und dadurch auch unsere Böden auf dem Land belastet werden. Wie das gehen soll? Rund 80 bis 90 Prozent der im Abwasser von Siedlungen enthaltenen Partikel, die zum Beispiel von Kleiderfasern stammen, verbleiben im Klärschlamm, der in den Kläranlagen anfällt. Der nährstoffreiche Schlamm wird häufig als Dünger auf Felder ausgebracht. Die Folge ist, dass Mikroplastik bereits in Obst, Gemüse, Mineralwasser, Honig und Bier gefunden wurde.

Mikroplastik gelangt auch über die Luft an die entferntesten und abgeschiedensten Punkte der Erde. Beispielsweise wurde Mikroplastik in Proben aus Alpenseen, der Arktis, Antarktis oder den Rocky Mountains gefunden.

Wir Menschen atmen täglich Mikroplastik ein: Forscher gehen davon aus, dass wir wöchentlich ca. 5 Gramm Mikroplastik – etwa eine Kreditkarte – über Nahrung, Luft und andere Quellen zu uns nehmen. Da inzwischen auch im Kot von Menschen Mikroplastik nachgewiesen wurde, kann davon ausgegangen werden, dass vermutlich fast alle Menschen bereits Mikroplastik in sich tragen.

Mikroplastik erobert unseren Planeten. Mit dem Mikroplastik hat das sogenannte Plastozän – das „Plastikzeitalter“ – endgültig Einzug gehalten.

Mikroplastik und Meerestieren?

Aber wie war das doch gleich noch mal mit dem Mikroplastik und den Meerestieren?

Mikroplastik gelangt permanent aus Kosmetik- und Körperpflegeprodukten, Reifenabrieb, Industriepellets, Fleece aus Kleidung über die Abwässer in die Meere. Der Plastikmüll im Meer wirkt sich auf alle Lebewesen im Meer aus. Meeresbewohner und Vögel verwechseln Plastikmüll oder Mikroplastik mit ihrer Nahrung und können bei vollen Magen verhungern.

Nach einer Studie der australischen Forscher, die verschiedene Meerestiere auf ihren Plastikgehalt analysierten, enthält mittlerweile jeder Meeresbewohner Plastik. Die untersuchten Sardinen enthielten die höchste Gesamtkonzentration an Kunststoff mit 2,9 Milligramm, der Tintenfisch die niedrigste mit 0,04 Milligramm. Das erschreckende war, dass alle Proben positiv waren und keine einzige plastikfrei. Die Wissenschaftler konnten fünf verschiedene Kunststofftypen gleichzeitig erkennen und messen.

Laut den Forschern könnte ein Mensch, der gerne Fisch isst rund 0,7 Milligramm Plastik bei einer durchschnittlichen Portion Austern oder Tintenfisch zu sich nehmen. Sardinen-Fans sogar 30 Milligramm Plastik!

Schätzungsweise nimmt jeder Europäer, der gerne und regelmäßig Meeresfrüchte isst, im Schnitt 11.000 Mikroplastikpartikel pro Jahr zu sich! Da klingt doch direkt der Meeresfrüchte Teller auf der Speisekarte gar nicht mehr ganz so lecker…

Mikroplastik in Kosmetik – eine nicht zu unterschätzende Gefahr

Auch in Kosmetik, welche wir direkt auf unserer Haut anwenden, werden schwer abbaubare Kunststoffe in flüssiger und fester Form eingesetzt. Davon gelangt ein Teil in unsere Gewässer und Meere.

Wie bereits erwähnt, gelangt Mikroplastik zum Beispiel über Reifenabrieb in großen Mengen und durch das Waschen von Synthetikkleidung in die Meere. Kosmetik trägt verglichen dazu relativ wenig zur Mikroplastikverschmutzung von Gewässern und Meeren bei. Trotzdem sind die Zahlen beeindruckend: 977 Tonnen Mikroplastik und 46.900 Tonnen gelöste Polymere gelangen jährlich – allein nur in Deutschland – aus Kosmetikprodukten, sowie Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln in unser Abwasser.

In welchen Kosmetikprodukten versteckt sich Mikroplastik?

Mittlerweile verzichten einige (aber nicht alle!) Hersteller von Zahnpasta, Shampoo oder Duschgel auf Mikroplastik. Allerdings verwenden viele Kosmetikhersteller bei Kosmetik, die nicht sofort abgespült wird (Cremes/Body Lotionen) oder dekorativer Kosmetik (Make-up, Mascara oder Lippenstift) noch immer Mikroplastikpartikel.

Wie erkennt man Mikroplastik in Kosmetik?

Naturkosmetik sollte unsere erste Wahl sein! Mit den entsprechenden Siegeln ist zertifizierte Naturkosmetik frei von Mikroplastik. Allerdings sind Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Polymilchsäure (INCI: Polylactic Acid) in Naturkosmetik nicht verboten, obwohl auch diese unter Umweltbedingungen schwer abbaubar sind.
Das gute ist, dass es fast keine Naturkosmetikprodukte gibt, die Polymilchsäure enthalten.

Ganz anders ist bei konventioneller Kosmetik. Hier ist es um einiges komplizierter, Kunststoffe zu vermeiden: Unter dem Stichwort „Ingredients“ werden die enthaltenen Inhaltsstoffe nach der „International Nomenclature of Cosmetic Ingredients“ (INCI), aufgelistet. Und das macht die ganze Angelegenheit für uns Verbraucher nicht gerade leichter. Mit der Codecheck App könnt ihr eure Produkte vor dem Kauf scannen und auf schädliche Inhaltsstoffe checken.

Tipp: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) stellt in seinem Einkaufsratgeber Mikroplastik eine aktuelle Liste von Kosmetikprodukten mit Mikroplastik zur Verfügung.

Lesetipp: Wer noch mehr Über das Thema Mikroplastik in Kosmetik und seine Auswirkungen auf das Meer und seine Bewohner erfahren möchte, kann sich in der Lektüre von Greenpeace „Vom Waschbecken ins Meer“ weitere spannende Informationen holen!

Quellen:

ASC Publications
Spiegel
Verbraucherzentrale
Bundesinitiative Mikroplastik
Organe.Handelsblatt